Aus der Chronik unseres Chores Mit dem Bau der Eisenbahn und der zunehmenden gewerblichen und industriellen Entwicklung kamen Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Katholiken in die einstmals fast ausschließlich von Protestanten bewohnte Stadt Aalen. Deshalb wurde in den Jahren 1867/1868 die Marienkirche erbaut. Bei der Weihe des Gotteshauses am 1. Oktober 1868 wirkte erstmals ein katholischer Kirchenchor, der damals nur aus Männern bestand, mit. Erster Dirigent des neugegründeten Chores war Herr Lehrer Munk. Bereits im Jahre 1880, unter der Leitung von Herrn Oberlehrer Müller, wurde der Männerchor zu einem gemischten Chor erweitert. Nach Fertigstellung der bedeutend größeren Salvatorkirche im Jahre 1913 wurden der Mittelpunkt des katholischen Lebens und die Stadtpfarrstelle auf diese Kirche übertragen. Bei der Kirchweihe am 10. November 1913 durch den damaligen Bischof Paul Wilhelm von Keppler sang der Chor, dirigiert von Herrn Oberlehrer Braun, die Josefsmesse von Fischer mit Orchesterbegleitung. Von diesem Zeitpunkt an hatte der katholische Kirchenchor Aalen in der Salvatorkirche seine Heimat. Vom 30. 6. 1926 bis 31. 3. 1935 leitete Herr Oberlehrer Hagenmüller den Chor. In der Zeit von 1933 bis 1945 mußte der Chor unter dem damaligen Regime vielerlei Schikanen erdulden. So wurde der Grabgesang bei Beerdigungen verboten und das Probenlokal in der Bohlschule mußte auf behördliche Anordnung hin aufgegeben werden. Dirigent Herr Oberlehrer Hägele wurde wegen seiner Chorleitertätigkeit beim katholischen Kirchenchor sogar strafversetzt. Mit dem Erwachen des kirchlichen Lebens nach dem 2. Weltkrieg nahm der Chor einen bemerkenswerten Aufschwung. Bis zu 120 aktive Sängerinnen und Sänger stellten sich in den Dienst der musica sacra und der Chor wurde zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil des kirchlichen und kulturellen Lebens in der Stadt Aalen. In dieser Zeit wurden bedeutende Werke der Kirchenmusik, z. B. die e-Moll-Messe von Anton Bruckner, oder die Herz-Jesu-Messe von J. van Nuffel neu einstudiert und aufgeführt. Im Jahre 1959 übernahm Herr Hermann Angstenberger den Chor, den er über dreißig Jahre lang dirigierte. Unter seiner Leitung öffnete sich der Chor, neben der Pflege der klassischen Kirchenmusik, auch modernen kirchenmusikalischen Werken, wie z. B. von Stockhausen, Limbacher, Krol u. a. Ausdruck der Aufgeschlossenheit des Chores war auch die Vielzahl der Auftritte mit anderen Chören und auswärtigen Orchestern auch außerhalb der eigenen Kirchengemeinde, das gemeinsame Lob Gottes mit dem Chor der Stadtkirche im Zeichen der Ökumene und die Kontakte mit ausländischen Kirchengemeinden, vor allem mit unserer Partnerstadt St. Lo. Viele Orgel- und Orchestermessen fast aller bedeutender Kirchenmusiker wurden neu einstudiert. Daneben kamen auch bekannte Werke wie Stabat Mater von Pergolesi, das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach, das „DettingerTe-Deum" von J. Haydn, das „Te-Deum" von Charpentierund das Haydn-Oratorium „Die sieben Worte des Erlösers am Kreuz" zur Aufführung. Ein besonderer Höhepunkt war im Jahre 1986 die erste Pilger- und Studienreise nach Rom. Als Nachfolger von Herrn Rektor Angstenberger übernahm im Jahre 1989 Herr Hans-Peter Haas die Leitung des Chores. Er erarbeitete mit den Sängerinnen und Sängern bis heute neben der Vorbereitung der Gottesdienste im Kirchenjahr die Krönungsmesse von W. A. Mozart, die Jubelmesse von Karl Maria von Weber, die Messe in C-Dur von Charles Gounod und die Pastoralmesse von Anton Diabelli. Zum 125 jährigen Chorjubiläum, das am 23.Mai 1993 gefeiert wurde, fand ein großes Jubiläumskonzert statt. Es wurde Die Schöpfung von Josef Haydn aufgeführt. Auch die Kultur kam nicht zu kurz. So führten Reisen den Chor nach Israel, mehrmals nach Rom, nach Andalusien und 2006 nach Verona zu den Opernfestspielen. Seit dem Jahre 2000 wurden auch mehrere CD´s hergestellt. Diese sind Mitschnitte aus Konzerten. Das Konzert zur Jahrtausendwende wurde durch die Aufführung von Vivaldis Gloria und Mozarts Exultate Jubilate zu einem guten Start in neue Jahrtausend. Dass sich der Chor auch mit neuer Literatur auskennt zeigt die Aufführung von Werken von John Rutter und Benjamin Britten. Ein für den Chor und auch für die Zuhörer herausragenden Ereignisses war das Paulus Oratorium von Mendelssohn-Bartholdy, das am 30 März 2003 aufgeführt wurde. Eine neue Einstudierung war die an Weihnachten 2003 aufgeführte Messe de Minuit von Marc-Antonie Charpentier. Ein a capella Konzert besonderer Art war das Konzert in der Salvatorkirche mit dem Titel Motette und Liturgie am 26. März 2006. Zum 20 jährigen Dirigentenjubiläum von Hans-Peter Haas wurde am 9. März 2008 das Requiem in c von Luigi Cherubini in der Salvatorkirche aufgeführt. Bereits im Oktober wird der Chor nach Dresden reisen und dort in der ehem. Hofkirche einen Gottesdienst musikalisch zu gestalten. Auch wenn aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen die Bereitschaft der Menschen sich dem kirchlichen Chorgesang zu widmen abgenommen hat, so fühlt sich der Chor im Bewusstsein seiner 139jährigen Tradition verpflichtet, auch in Zukunft das Lob Gottes musikalisch zu verkündigen. |