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Weihnachtspredigt 2012 in der Salvatorkirche Pfr. Dörflinger

Weihnachtspredigt 2012:

Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt -
Liebe Mitchristen an diesem Weihnachtsfest!

Fernando Silva ist der Leiter des Krankenhauses in Managua, Nicaragua.
Am Heiligen Abend war er noch bis spät bei der Arbeit geblieben.
Schon knallten die Raketen und die Feuerwerkskörper beleuchteten den Himmel,
als Fernando beschloss, nach Hause zu gehen.
Dort erwarteten ihn seine Angehörigen zum Fest.
Er machte noch einmal einen Rundgang durch alle Krankensäle, ob alles in Ordnung sei,
da spürte er auf einmal Schritte hinter sich, zarte Wattefüßchen, die ihm folgten.
Er drehte sich um und sah, dass ein krankes Kind hinter ihm her ging.
Er erkannte es im Halbdunkel; es hatte keine Angehörigen.
Fernando schaute ihm in´s Gesicht, das schon vom Tod gezeichnet war,
und sah Augen, die um Entschuldigung baten, oder vielleicht nur um Erlaubnis.
Fernando ging zu ihm hin, und das Kind berührte ihn mit der Hand, ganz sacht.
Leise flüsterte es: „Sag..., sag..., sag jemandem, dass ich da bin.“ 

Wie treffend dieses Kind die Wahrheit sagen konnte. „Sag jemandem, dass ich da bin.“
Das ist die ganze Weihnachtsbotschaft: Ein Kind ist uns geboren! Diese gute Nachricht will gesagt und gehört sein. Die Herbergsuche macht deutlich, dass im Trubel der Vorweih-nachtszeit jeder mit so viel anderen Dingen beschäftigt war, dass kein Platz für die Botschaft, für den Einlass der Bedürftigen war. Die heutige „Shopocalypse“ vor Weihnachten, also das Endzeitszenario mit dem Weihnachtsgeschäft, ist die beste Erklärung für die erfolglose Herbergsuche Gottes in uns modernen Menschen.
Und trotzdem scheint das Christkind zum Vater im Himmel zu sagen: „Sag jemandem, dass ich da bin.“ Der himmlische Vater schickt seine Engel und die finden tatsächlich Menschen, die noch hören können, die die Botschaft vom Dasein des Kindes aufnehmen: Die Hirten geben dem Kind, Maria und Josef die Gewissheit, dass die Botschaft angekommen ist. Im Kind in der Krippe löst Gott ein, womit er sich am Dornbusch offenbart hat: „Ich bin der Ich-bin-da.“
Womit haben wir uns denn die letzte Zeit so beschäftigt, dass uns dieser Durchblick verbaut worden ist?
Ich war erstaunt, dass das Thema Weltuntergang am 21.12. doch so eine große Resonanz gefunden hat auf der ganzen Welt. Das ist schon ein typisches Beispiel. Wir haben so viel darüber erfahren, dass über dieses aufgeputschte Thema leider der Blick für die vielen Menschen verloren ging, die einen lautlosen Weltuntergang erleben: wenn sie still und leise verarmen, wenn Familie und Partnerschaft zerbricht, wenn der Arbeitsplatz gekündigt wird, wenn ein nahestehender Mensch plötzlich aus dem Leben gerissen wird, das sind lauter Weltuntergänge, die konkrete Lebenswelten beenden, zerbrechen, untergehen lassen. Aber auch diese Menschen würden wie das namenlose Kind in Nicaragua rufen: „Sag jemandem, dass ich da bin!“
Die Weihnachtsbotschaft kämpft seit ihrem Ereignen um Gehör bei den Menschen.

Unser christlicher Glaube birgt so viel Wahrheit über das Leben, über die geniale Antwort Gottes auf unser verworrenes Erdenleben, indem er sich einfach zum Kind macht, dass es unsereins um so mehr verwundert, dass die Menschen sich immer mehr abwenden von der originär christlichen Weltanschauung. Im 19. Jahrhundert kam die klassische Religionskritik auf, im 20. Jahrhundert die atheistischen Systeme, und heute erleben wir eine völlig neue Dimension der Nichtgläubigkeit. Eine Umfrage auf einem Bahnhof in den neuen Bundesländern aus dem letzten Jahr, ob die Menschen katholisch oder evangelisch seien, hat zu der meist genannten Antwort geführt: „Nein, normal.“
Das wäre eine philosophische Erörterung wert, was hier geschehen ist. Da müsste das Kind in der Krippe heute noch lauter sagen: „Sag jemandem, dass ich da bin!“

Die Grundstimmung im Durchschnitt der Bevölkerung hier in Baden-Württemberg und konkret hier in Aalen scheint von Zuversicht geprägt zu sein. Die Wirtschaftskraft in Baden-Württemberg ist noch gut: wir Baden-Württemberger finden uns auf Platz 3 nach Hessen und Nordrhein-Westfalen.
Dann hat uns der VfR ein glückseliges Jahr beschert - vor der Weihnachtspause hat er uns auf Platz 5 geschossen; das macht schon in gewisser Weise zuversichtlich; es macht vor allem Aalen bekannt; dann lasen wir in der Zeitung, dass im nächsten Jahr ein flächen-deckendes schnelles Internet für die ganze Stadt Aalen kommen soll; das spart viel Ärger;
die kreative Neugestaltung des Kirchenvorplatzes vor der Salvatorkirche mit einem Wasserlauf wird uns zwar von Rottenburg nicht genehmigt, wir haben schon viel Geld von der Diözese für die Renovierung der Fenster erhalten, aber beruhigend ist die Zusage, dass die Kirchensteuerzuweisung doch noch nicht gleich einbricht, wie befürchtet worden ist;
Aber - geben wir uns mit all dem schon zufrieden? Ist das schon Weihnachten?
Brauchen wir überhaupt einen Erlöser? Die Frage der Erlösung wird immer schwieriger zu beantworten:
Liegt die Erlösung im materiellen Wohlstand für alle oder liegt sie in der inneren Freiheit gegenüber all den Gesetzmäßigkeiten des Wohlstandes?
Ich frage mich oft: Was ist denn unsere Erwartung, unsere Sehnsucht, die wir mit Weihnachten beantwortet haben möchten: worin suchen oder finden wir das Glück?
In Zeiten konkreter Mangelzustände lässt sich das leichter beantworten. Während meines Auslandsstudiums in den 80er Jahren in Mexiko habe ich schon deutlich gespürt, dass das Thema Erlösung in Ländern in Lateinamerika viel konkreter auf die Lebensumstände bezogen war, während es hier in Zentraleuropa, wo die materiellen Fragen einigermaßen gelöst sind, schon ganz stark um die Sinnfrage ging;
und heute: Worin sollen wir heute erlöst werden? Haben wir denn Erwartungen gegenüber Weihnachten und Ostern, was unsere Erlösung betrifft; oder suchen wir in deren Feier einfach ein verloren gegangenes Gefühl? Das wäre zu wenig.
Selbst die Sinnsuche hat sich ganze Märkte erschlossen, in denen so viel geschieht, dass die Kirche sich für viele freilich erübrigt hat; und sie relativiert sich oft auch noch selber, wenn sie meint, sich als Dienstleistungsunternehmen profilieren zu müssen und jedem nach seinem Bedürfnis etwas geben zu wollen, also mit Angeboten auf diesem Markt der Möglichkeiten auch noch mitzumischen. So hat Jesus selber das jedenfalls nicht gemeint.

Und jetzt kommen wir zu Jesus selber, zum Salvator. Der Erlöser ist unsere Erlösung.
Wir haben im November das Salvator-Jahr eröffnet. Es deckt sich ungefähr mit dem vom Papst ausgerufenen Glaubensjahr. Darin liegen Wegweiser einer Antwort. Können Sie an Jesus glauben? Nicht nur, dass es ihn gab, sondern an seine Bedeutsamkeit für Ihr persönliches Leben? Er ist auch für Sie auf diese Welt gekommen, er hat auch an Sie gedacht. Das Salvatorjahr eignet sich schon von seiner Platzierung im Kirchenjahr sehr gut, um unserer ganzen Christusverbundenheit nachzuspüren und den Glauben an meinen Erlöser zu erneuern. Am Anfang stand der Advent, die Erwartung. Wenn es uns gelungen ist, die Ruhe und den Frieden zu finden, konnten wir unserer Grundsehnsucht ein wenig auf die Spur kommen. Jetzt kommt Gottes Antwort: In der Krippe liegt der Beginn unserer Christusbegegnung. Der Erlöser ist ein Kind. Im Kind werden wir heil.
Im unversehrten, ganz in sich und im Vater ruhenden Kind empfangen wir Trost für alle Wunden und Verletzungen unserer Seele. Das Kind ist die Erlösung des Menschen, der sich immer wieder als Sohn, als Tochter des Vaters im Himmel finden muss. Das betrifft die ganz persönliche Christusbeziehung.
Nun trägt aber unsere Kirche diesen Titel Salvator-Kirche. Christus ist das Haupt, wir sind als Kirche und Gemeinde der ganze Leib. Paulus wird in seinen Briefen nicht müde, diesen Vergleich zu zitieren. Wir entdecken uns also auch als Gemeinde in diesem kleinen Leib des Herrn in der Krippe. Deswegen haben angeregt durch unsere Italiener, also inspiriert von der Krippe in der Heilig-Kreuz-Kirche, in diesem Salvatorjahr unsere Salvator-Kirche zur Krippe gemacht.
Man beachte: Kirche ist nicht gleich Tempel. Christus ist gerade nicht im Tempel zur Welt gekommen. Das Modell der Salvatorkirche erinnert in dieser Form auch eher an eine Baustelle, an das Unfertige, vielleicht hat sie vor genau 100 Jahren in der Bauphase so ausgesehen. Seit dem Zweiten Vaticanum sieht sich die Kirche weniger triumphal und als Bollwerk, sondern eher als das Volk Gottes in der Wüste, das wieder lernen muss, auf Gott zu vertrauen, unfertig, mit Schuld beladen, aber auch im Dienste der Vergebung und der Erneuerung. Vielleicht steht unsere Krippe in diesem Jahr deswegen bewusst für ein neues Bild von Kirche, für eine neue Salvatorgemeinde, die sich von ihrem Bezug zu Christus her definiert, wie es der Name nahelegt.
Schöpft aus den Quellen des Erlösers lautet unser Jahresmotto. Unsere Krippe ist für uns Schatztruhe, Quelle und Bescherung zugleich, ein Ausdruck des Glaubens und der Christusbegegnung. Die Salvatorkirche ist nun 100 Jahre ein Ort des Glaubens. Ich wünsche uns, dass dieser Glaube erneuert wird, damit er auch weiter getragen werden kann. Und dieser Glaube könnte ja mit dem Staunen beginnen. Die Hirten an der Krippe waren die ersten, die staunten. Und dann heißt es:
„Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.“ Auch beim Zwölfjährigen Jesus im Tempel geht es um das Staunen: „Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis.“ Und schließlich erfahren wir beim Hauptmann von Kafarnaum, dass Jesus selber auch staunen konnte: „Als Jesus das hörte, staunte er über den Glauben dieses Mannes.“  
Staunen heißt lateinisch mirari, und davon abgeleitet kommt miraculum: das Wunder; staunen ist auch bewundern, so beginnt das Wunder des Glaubens.
Jesus konnte staunen und andere das Staunen lehren.
Der renomierte Philosoph und Theologe Charles Taylor, der auch als Impulsgeber der Bischofssynode zur Neuevangelisierung vergangenen Herbst auftrat, stellt fest:
„Auch Ungläubige kommen nicht umhin, eine tiefe Demut und Verwunderung angesichts dessen zu empfinden, das uns so über alles Maß übersteigt.“
Möchten wir uns jedoch nicht mit philosophischen Dimensionen schon zufrieden geben, müssen wir bei der Mystik weiter suchen. Wie gelangen wir vom denkenden Erkennen zur liebenden Verbundenheit mit dem Göttlichen?
Der belgische Psychologe und Philosoph Joseph Maréchal sieht Mystik als „sentiment de présence“, als die Fähigkeit, ganz und gar präsent, gegenwärtig sein zu können.
Mystik setzt also Achtsamkeit voraus; mit allen Sinnen bei der Sache sein zu können:
ganz da sein können, ganz Ohr sein können für Gott, für sein Wort, für den Mitmenschen;
nicht glänzen durch das gleichzeitige Tun verschiedener Dinge, sondern durch die Wahrnehmung der Tiefendimension des Augenblicks oder des Menschen vor mir.
Und schließlich ganz da sein für die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes.
„Sag jemandem, dass ich da bin.“

Amen.

 
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